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NEWS > DER SYNDROMISCHE DIABETES AM BEISPIEL DES WOLFRAM-SYNDROMS

 

Prof. Dr. Klaus-Dieter Gerbitz

1938 beschrieben Wolfram und Wagener ein Syndrom, das aus Diabetes insipidus, Diabetes mellitus, Optikusatrophie und Taubheit (Deafness) besteht und daher als DIDMOAD oder Wolfram-Syndrom bezeichnet wird. Insulinabhängiger Diabetes mellitus und Optikusatrophie sind die beiden essentiellen und führenden Symptome, zusätzlich kommen auch noch Blasenatonie, Ataxie und in einem hohen Prozentsatz psychische Störungen vor.
Die Art der Symptomatik macht das Vorliegen einer mitochondrialen Erkrankung wahrscheinlich, 1994 gelang es einer amerikanischen Arbeitsgruppe , das Gen für DIDMOAD auf dem kurzen Arm des Chromosoms 4 zu lokalisieren. Das Rennen um die Aufdeckung des Gens und seiner für das Syndrom verantwortlichen Mutationen gewann vor kurzem eine japanisch-amerikanische Arbeitsgemeinschaft knapp vor unserer Münchner Gruppe. Das entdeckte Gen, von uns Wolframin-Gel genannt, besteht aus acht Exons und kodiert für ein Transmembran-Protein mit ca. 100 kD.
Die Funktion des Wolframins liegt allerdings noch völlig im dunklen. Elf der bisher insgesamt 14 DIDMOAD-Familien, die von beiden Arbeitsgruppen genauer untersucht wurden, tragen unterschiedliche Stop-, frameshift und Längen-Mutationen, die zu Funktionsverlust des Wolframins führen dürften und hauptsächlich im Exon 8 zu finden sind. In anderen Worten: Das Mutationsmuster zeichnet auf der genetischen Ebene ein heterogenes, buntes Bild, dem sich allerdings bisher keine entsprechenden Phänotypen zuordnen lassen. Interessant ist, daß bei einem Teil der in der Literatur beschriebenen Fälle offensichtlich auch Mutationen der mitochondrialen DNA (mtDNA) Ursache des DIDMOAD-Syndroms sein können. Die von uns untersuchten Fälle zeigen hingegen keine mtDNA-Mutationen, ließen sich aber, überraschenderweise, mehrheitlich einer bestimmten europäischen mtDNA-Haplogruppe zuordnen.
Wiewohl Mutationen des Wolframins nur für einen geringen Teil des insulinpflichtigen Diabetes verantwortlich sein dürften, eröffnet diese erste Entdeckung eines Gens, das mutiert offensichtlich zum Untergang von ß-Zellen führt, für die Folgezeit ein weites Feld modellhafter Forschung im Rahmen der experimentellen Diabetologie. Lokalisation und Funktionsaufklärung des Wolframins ist daher z.Z unsere vorrangige Aufgabe; darüber hinaus wird die Etablierung eines Tiermodells sowie entsprechender Zell-Linien versucht.
Das Modell DIDMOAD liefert erstmals auch die Möglichkeit, das Zusammenwirken chromosomaler und mitochondrialer DANN an einem humanen Krankheitsbild, auch im Hinblick auf etwaige Therapiemöglichkeit, zu studieren. Wir hoffen dabei auf die Mitarbeit von Kollegen, die solche Patienten betreuen, und die wir daher bitten, sich bei uns zu melden.